Wie kann man einem Krokodil entkommen?
In meinem letzten Beitrag ging es um die sogenannte Hundekurve: Ein Verfolger richtet seine Bewegungsrichtung stets direkt auf das Opfer aus.
Ist der Verfolger beliebig wendig und schneller als das Opfer, wird er es irgendwann einholen. Die beste Strategie für das Opfer ist dann einfach: immer direkt vom Verfolger wegzulaufen. So maximiert man die Zeit bis zum Einholen.
Ein Krokodil folgt dieser idealisierten Theorie jedoch nicht. Es kann seine Richtung nicht beliebig schnell ändern – sein Kurvenradius ist begrenzt.
Deshalb hört man oft den Rat, vor einem Krokodil im Zickzack wegzulaufen. Tatsächlich können abrupte Richtungswechsel dem Verfolger Probleme bereiten – allerdings erst dann, wenn er bereits nahe genug ist, dass seine eingeschränkte Wendigkeit relevant wird.
Ist das Krokodil noch weit entfernt, sind Haken eher kontraproduktiv. Dann zählt zunächst nur eines: Abstand gewinnen. Erst wenn der Verfolger näher kommt, können schnelle Richtungswechsel einen Vorteil bringen.
Die Hundekurve beschreibt eine ideale Welt. Sobald man jedoch eine reale Einschränkung hinzufügt – hier den minimalen Kurvenradius –, verändert sich die optimale Strategie grundlegend.
Für mich steckt darin eine allgemeinere Erkenntnis: Es gibt selten Regeln, die immer gelten. Was richtig ist, hängt oft von den Rahmenbedingungen ab.
Deshalb lohnt es sich manchmal, weniger über Regeln selbst nachzudenken – und mehr über die Annahmen, unter denen sie entstanden sind.
